„Enosis-Tag“ sorgt für Verstimmung

Mit 19 Stimmen beschloss das zyperngriechische Parlament die Einführung eines „Enosis-Gedenk-Tags“ an den inselgriechischen Schulen. Die Idee habe von der ultra-rechten Bewegung Elam gestammt, so heißt es in den Medien. Enosis steht bei den Zyperngriechen für den Wunsch, Zypern an das griechische Mutterland anzuschließen. Im Norden kam es zu heftigen Reaktionen. Die Einführung eines solchen Tages diene kaum der Annäherung und schade dem Einigungsprozess. Das Parlament wandte sich in einer Erklärung einstimmig gegen solche Feierlichkeiten an den Schulen im Süden. TRNC-Präsident Akinci sagte ein Treffen mit seinem griechischzyprischen Amtskollegen Anastasiadis ab. Dieser erwiderte, dass er die Aufregung auf zyperntürkischer Seite nicht verstehen könne. Man erinnere nur an „historische Fakten“. Zudem müsse man fragen, wenn die bloße Erinnerung an Enosis für derartige Verstimmungen bei den Zyperntürken sorge, wie man dann die Feierlichkeiten zum 20. Juli verstehen dürfe. An diesem Tag erinnert der türkische Norden an die türkische Militärintervention. Auch hier blieben die türkischzyprischen Reaktionen aber nicht aus. So schrieb der Vertreter der Inseltürken in Österreich, Seydali, auf Facebook, dass nicht vergessen werden dürfe, dass die Geschehnisse des Sommers 1974 eine Reaktion auf etwas waren. Mitte Juli 1974 putschte das griechische Obristenregime gegen den inselgriechischen Präsidenten Makarios III. und installierte mit Nikos Sampson einen Präsidenten, der den Anschluss an Griechenland ausrufen wollte. Daraufhin machte Ankara von seinem im Garantievertrag verankerten Interventionsrecht Gebrauch. Anastasiadis sprach von einer „Invasion türkischer Truppen“, die dann den Norden der Insel besetzten. In zyperngriechischer Lesart der Geschichte wird meist ausgeblendet, dass diese Militäraktion eine Reaktion auf den Putsch war. Selbst Makarios III. sprach im Londoner Exil von einer existenzbedrohlichen Situation für die türkischen Zyprer. Wie der Verhandlungsprozess nach dem Parlamentsbeschluss nun wieder in Gang gesetzt werden kann, ist offen. Akinci traf bereits mit dem VN-Sondergesandten Eide zusammen um weitere Schritte abzustimmen.

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