Griechische Seite verlässt die Verhandlungen

Der zyperngriechische Präsident Nicos Anastasiadis hat die Zyperngespräche verlassen. Begründet wurde der Schritt mit einer angeblichen Provokation der Türkei. Diese erkenne eine exklusive Wirtschaftszone des Inselsüdens nicht an. Tatsache ist, dass vor Zypern erhebliche Erdgasvorräte vermutet werden, die die Inselgriechen im Süden für sich alleine beanspruchen. Der Inselnorden lehnt dies vehement ab. Die Vorräte gehörten beiden zyprischen Volksgruppen. TRNC-Präsident Eroglu hatte bereits vorgeschlagen, diese Vorräte erst nach einer Einigung auszubeuten. Nun habe Ankara durch einen Vorstoß, vor Zypern ebenfalls nach Erdgas suchen zu wollen, den Anlass gegeben, die Verhandlungen auszusetzen. Dieser Schritt wurde im Norden scharf kritisiert. Außenminister Nami sagte, es gäbe keinen anderen Weg als den der Verhandlungen und forderte die griechische Seite auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Der neue VN-Sondergesandte Espen Barth Eide konnte nicht sagen, ob weitere bereits angesetzte Gesprächstermine nun auch ausfielen. Auch das Treffen der beiden Unterhändler wurde abgesetzt. Staatspräsident Eroglu sagte, es sei ein Fehler der inselgriechischen Seite, die Verhandlungen zu verlassen. Er erkenne darin aber die Fortsetzung eines 50 Jahre alten Kurses, auf Zeit zu setzen. Südzypern wird als alleinige Regierung der gesamten Insel anerkannt, darf den türkischen Teil meist unwidersprochen als „türkisch besetzes Gebiet der Republik Zypern“ bezeichnen, ist allein EU-Mitglied und verweigert den türkischen Zyprern ihre im Europäischen Parlament zustehenden Sitze. Zudem setzt der Süden aktiv international auf Wirtschaftsembargos gegen den Norden und verantwortet so eine Isolation der Zyperntürken. Die Genese der Zypernfrage in den 1960er Jahren, die zur administrativen Teilung der Insel geführt hatte, wird international kaum beachtet. TRNC-Repräsentant Uli Piller betonte im Zusammenhang mit der inselgriechischen Entscheidung, die Verhandlungen zu verlassen: „Den Eindruck, dass der Süden nicht verhandelt um Ergebnisse zu erzielen, sondern um international nicht dafür kritisiert zu werden, nicht zu verhandeln, hatte man schon lange. Nun scheinen die Parteien und der Präsident im Süden einen Grund gefunden zu haben, die Gespräche zu verlassen und wie immer mit dem Finger auf Ankara zu zeigen. Solange in Europa dies immer noch genügend Claquere findet, die jedes vermeintliche Minus auf Seiten der Türkei bejubeln um die Annäherung an Europa auszubremsen, wird sich in der Zypernfrage nichts ändern und die Leidtragenden sind die Zyperntürken, die seit den 1960er Jahren isoliert leben müssen.“

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